Vom Walde draußen

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VOM WALDE DRAUßEN

Tino Breitenbach

Eine Kurzgeschichte zur Adventszeit

 

Die Glocken der Turmuhr läuten. Es ist erst sieben Uhr abends, und ich habe schon jetzt Hunger.
Ich mag das alles nicht. Alles glitzert. Es ist zu laut. Ich hasse den Trubel. Zu viele Menschen. Zu viel Gestank. Parfüm, Schweiß, Alkohol.
Sie riechen nach Dreck. Gerade die Kleinen. Und sie wollen stets das Gleiche. An meinem Bart ziehen. Das haben sie schon immer getan, wer weiß schon, warum. Sie quaken einem die Ohren zu, schreien und kreischen. Sie wollen hirnlose Geschenke. Sie wollen mich anfassen!
Auf der anderen Straßenseite versucht ein falscher Weihnachtsmann sein Glück. Er scheint sich besser anzustellen, als ich es je könnte. Er lächelt, er strahlt. Die Kinder mögen ihn. Er macht sich zur Witzfigur. Wie erbärmlich!
Ich rieche sterbende Tannen. Einige lassen schon die Nadeln fallen. Unerbittlich holzen sie Jahr für Jahr die Bäume ab, als wären sie Unrat.
Wieder klettert so ein Ding auf meinen Schoß. Ich rattere meinen Text hinunter und versuche, so auszusehen wie der Kerl mit dem billigen Kostüm auf der anderen Straßenseite.
»Mama sagt, ihr seid alle arbeitslos und grapscht gerne Kinder an. Aber ich glaube, du bist echt.«
Das Mädchen schmiegt sich an mich. Es riecht nicht widerlich, dass ich mich übergeben müsste. »Was wünschst du dir denn zu Weihnachten«, brumme ich ihm die Floskel entgegen.
»Ach«, sagt es. »Ich wünsche mir eigentlich nur, dass der Weihnachtsmann auch einmal Geschenke bekommt.«
Ich streichel ihm über den Kopf. »Das ist ein wunderbarer Wunsch«, sage ich und meine es auch so. Ich schiebe das Mädchen von mir herunter. Bevor es in der Menge verschwindet, winke ich ihm zu. Dann nehme ich den schweren Sack und wuchte ihn mir über die Schulter. Schwerfällig zappelt es darin. Mein Abendbrot.
Es ist noch ein weiter Weg in den Wald.
Im Jutesack wimmert es. »Sei still«, grunze ich.
Dieses Gesindel. Wie ich es hasse, aber irgendetwas muss ich schließlich essen.
Die schweren Stiefel poltern über die Pflastersteine. Es ist noch ein weiter Weg. Mein Magen knurrt unerlässlich.
Ich habe Hunger.

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